wieviele Plattformen wurden schon als eBay-Killer bezeichnet? Viele! Zuletzt Google Base. Und nun sprechen einige Blogger von edgeio (siehe auch deren Blog), die angeblich einen spannenden Ansatz verfolgt. Leider kann man sich dort noch nicht anmelden. Aber hören wir mal, was das Ding so toll machen soll:
Business Week: Edgeio Edges Toward Launch–and a Clash with E-Commerce Giants?
Edgeio, the much-anticipated, secretive startup by onetime RealNames founder Keith Teare and TechCrunch blogger Mike Arrington, suddenly isn’t so secret anymore. Clearly, Edgeio has more to tell, but what Teare did tell during the startup’s first-ever public demo no doubt will get the attention of current powerhouses in Web commerce and classified ads, such as eBay and Craigslist.
But essentially, Edgeio is doing just what its tagline says: gathering “listings from the edge”–classified-ad listings in blogs, and even online product content in newspapers and Web stores, and creating a new metasite that organizes those items for potential buyers. The way Edgeio works is that bloggers would post items they want to sell right on their blogs, tagging them with the word “listing” (and eventually other descriptive tags). Then, Edgeio will pluck them as it constantly crawls millions of blogs looking for the “listing” tag and index them on Edgeio.com. Also, Edgeio sends a trackback to the blog, providing a way for the blogger to go to Edgeio and modify the listing, adding other tags such as “autos” and other data that will further help the listing appeal to potential buyers.
Buyers get some interesting tools on Edgeio, too. You can search by geography, naturally. In fact, there’s a cool slider that lets you zero in on a particular city. If there aren’t enough listings, you can move the slider to a wider geographic area. Buyers also can filter listings by tag and see information on the blogger or publisher of the listing. Ultimately, buyers–if they choose to register as Edgeio members–can contact the seller directly by email. Ad listing in blogs? Who does that? Today, almost nobody. And that’s why this idea could work at all: Teare said the tag “listing” is found only about 10 times a day on millions of blogs, so it’s an ideal, clean tag with which to create a unique index of “listings from the edge.” Edgeio also plans a reputation system. For now, there’s a button for buyers to view the seller’s eBay reputation, if she or he has one–big eBay “Powersellers” are an initial target here–but eventually Edgeio plans to embrace a more mobile reputation system.
Biz model? For one, Edgeio plans to charge Powersellers 25 cents a day to buy top positions on the page for their local listings. Later, Edgeio plans to run contextual ads, possibly Google’s AdSense, to let local sellers run ads on the right column. And third, as prospective buyers subscribe to Edgeio RSS feeds for products they’re interested in, those lists of prospects could be sold as qualified leads to sellers.
Man kann nicht einfach so einen Giganten wie eBay mal links überholen. Dazu ist eBay schon zu sehr präsent. Aber der Ansatz verspricht langfristiges Wachstum. Wie aber bei allen Erfolgsmodellen wird die Konkurrenz nicht schlafen. Was würde eBay daran hindern, zB das o.g. Blogsystem anzubieten? Nichts! Und die Power wäre ungleich größer. Es gehört schon mehr als die Idee dazu, ein echter Konkurrent zu werden: Geld, Team, Technik, Esprit, User und eine 1a Umsetzung. Und das über alle Wachstumsphasen hinweg. Nein, noch ist es viel zu weit weg, um von einem eBay Killer zu sprechen. Lass uns in 5 Jahren nachschauen. Ich tippe momentan auf etsy.com, die eBay brutal Konkurrenz machen werden, da sie bewiesen haben, daß sie den richtigen Riecher haben. Aber auch die sind noch viel zu frisch, um vorherzusagen, daß die 100% hochpoppen werden.
Insgesamt aber geht mE der Trend dahin, sich seinen eigenen Shop im Handumdrehen zusammenbasteln zu können und über Vernetzungsmechanismen (dezentrale Marktplatzfunktion, statt alles zentral wie auf eBay) Käufer und Verkäufer zusammenzubringen. Erste Ansätze dahingehend zeigt nicht nur edgeio, sondern auch Tagworld und Weblogs als Vorläufer funktional in sich geschlossener Personal Publishing Systeme, die mehr als nur zum Publizieren gedacht sein werden. Sondern? Jeder Websuer wird sich seinen eigenen Platz so einrichten können, wie es seinem Bedarf entspricht. Sei es, um Fotos zu verwalten, Fotos zu sharen, Fotos zu drucken, Fotos zu verkaufen, Fotos zu bloggen, etc (um es mal am Fotobeispiel zu verdeutlichen).
Welcher Anbieter nun welches Modul und welchen Part in der Abwicklungs-Prozesskette zum gegebenen Preisangebot übernimmt ist, für den User zwar nicht unwichtig, es nimmt ihm aber die Last ab, sich selbst technisch darum kümmern zu müssen (Grund No.1, warum zB gehostete Weblogs so beliebt sind) und lässt den User sich auf das konzentrieren, was ihn wirklich interessiert. Insofern wird eBay eines Tages als zentraler Marktplatz seine Bedeutung verlieren, noch benötigt man technisch gesehen solche Plätze. Das wird auch lange noch bleiben. Aber in 5-10 Jahren sind wir technisch wieder ein Stück weiter. Bis dahin hat aber eBay genug Zeit, sein Plätzchen zu finden. So wie Microsoft versucht, seinen Platz in der neuen Welt zu finden.
In den Wirtschaftswissenschaften spiegelt sich diese These auch wieder: Institutionen, sprich Unternehmen, die am Marktgeschehen teilnehmen, haben nur solange eine Daseinsberechtigung, solange sie dem Nutzer einen Vorteil bieten, den der Nutzer nur unter erheblichem Aufwand selbst erbringen müsste. In der virtuellen Welt werden aber zahlreiche Hürden gesenkt, damit private Marktteilnehmer auch ohne Unternehmen als Vermittler miteinander agieren können. So wär es im Zuge der Weiterentwicklung des Webs nicht unvorstellbar, daß zB altehrwürdige Branchen wie Banken oder Versicherungen einen Teil ihrer Rolle in Zukunft verlieren. Ein Versicherungsunternehmen bietet gegenüber einem Abschluss von Privat-zu-Privat mehrere Vorteile: Das Know How über das Risiko auf Basis umfangreicher Statistiken, das Management der Risiken auf Basis des Gesetzes der Großen Zahl und der Rückversicherung der Risiken, um Finanzrisiken zu diversifizieren, das vertragliche Know How, effektive Maßnahmen, um Moral Hazard und Informationsasymmetrien zu unterbinden und das notwendige Kapitalmanagement inkl. guter Konditionen auf den Finanzmärkten, um letztlich im Risikofall leisten zu können. Versicherungsunternehmen handeln im Kern ausschließlich mit Informationen. Nur dieser Informationsvorsprung stellt ihre Daseinsberechtigung dar. Wenn es nun gelänge, diese Informationen im Netz zu sammeln und zu bewerten, wüßten wir selbst, wie teuer zB eine Risikolebensversicherung wäre, wie ein entsprechender Vertrag auszusehen hätte, welche Sanktionen im Betrugsfall zu greifen haben und könnten im Eintrittsfall den Schaden über am Kapitalmarkt gehandelte Spezial-Fonds decken, die wiederum von anderen Privaten finanziert werden (es gab tatsächlich einen Versuch in den 90ern Risiken über den Kapitalmarkt zu handeln, auf der Terminbörse von Chicago, Versicherungstitel im Bereich Unwetter zu handeln, der aber mangels Transparenz gescheitert war). Letztlich ist die Message aber einfach: Kein Unternehmen kann sich jemals ausruhen auf seinen Lorbeeren, da sich die Marktbedingungen stetig verändern. Manchmal kann man mitgehen, manchmal eben nicht (Kutschenhersteller …).
Siehe weitere Infos zu der neuen Welt:
- auf Exciting Commerce Ichiba: Das Edgeio-Prinzip in Cartoon-Form
- Das Edgeio-Prinzip: Erfolgreich handeln ohne Google
- Wie Kleinanzeigendienste den E-Commerce verändern
- MyShoppingSpace: Erdrutschgefahr im E-Commerce
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